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Aber was bedeutet Ableismus überhaupt?

Der Begriff stammt aus dem Englischen (to be able=fähig sein) und ist das Fachwort für die ungerechtfertigte und grenzüberschreitende Ungleichbehandlung wegen einer Beeinträchtigung. Menschen werden an bestimmten Fähigkeiten, wie laufen, sehen, sozial interagieren, gemessen und auf ihre Beeinträchtigung reduziert. Dies wird als behindertenfeindlich angesehen. Ableismus ist also eine Form von Diskriminierung oder ein Vorurteil gegen Menschen mit Behinderungen.
Ableismus zeigt sich nicht nur in einem schrägen Kommentar oder im Kopfstreicheln einer Person mit Behinderung sondern auch in der Treppe ohne Rampe oder im überschwänglichen Lob, wie toll jemand sein Leben „meistert“. Jede*r würde es als unangenehm empfinden, wenn er/sie beispielsweise für die Fahrt zur Arbeit „gelobt“ werden würde.

Ableismus ist gefährlich: Denn eine Behinderung beginnt in den Köpfen der Anderen. Die jeweiligen Personen werden nicht als gleichberechtigte Gegenüber wahrgenommen, sondern auf- oder abgewertet.
Ableismus zu verstehen und zu durchschauen ist unabdingbar, um Ableismus auch hinter Lob oder Bewunderung zu identifizieren.

Bruchsal/Hambrücken. Der Forst hat sogenannte Hordengatter zum Schutz junger Bäume vor Wildverbiss im Wald zwischen Bruchsal und Hambrücken errichtet. Die Lebenshilfe half beim Bau. „Das war ein tolles Projekt, draußen im Wald arbeiten und etwas für die Natur zu machen das hat richtig Spaß gemacht“, sagt Alexander Helfinger von der Lebenshilfe und auch seine Kollegin Simone Oechsler ist begeistert: „Das war mal eine ganz neue Herausforderung für uns.“ Die beiden Mitarbeiter mit Behinderungen der Lebenshilfe Bruchsal beziehungsweise Graben-Neudorf und ihre Kollegen schwärmen von der Arbeit im Wald. Die Kooperation ist auch für Bernd Schneble, Leiter des Forstbezirk Hardtwald, und Erhard Metzger, Leiter der Betriebsstätten der Lebenshilfe Graben-Neudorf, ein Novum. „Wir haben hier erstmals bei einem Projekt zusammengearbeitet und das hat hervorragend geklappt“, sind sich die beiden einig.

Doch auch die Hordengatter selbst sind etwas Neues im Wald bei Hambrücken: Ein Lattenholzzaun, der die jungen Eichen auf einer etwa 250 Quadratmeter großen Fläche vor Wildverbiss schützen soll. „Rehe und Damwild fressen mit Vorliebe die Knospen junger Bäume, verhindern so deren Wachstum und behindern damit sowohl die Naturverjüngung als auch die Wiederaufforstungsmaßnahmen in unseren Wäldern“, berichtet Bernd Schneble welche Folgen ein zu hoher Wildbestand für den Forst haben kann. Während die Forstwirtschaft ihre Jungbäume bisher meist mit Drahtzäunen oder mit Wuchshüllen schützt, wollen Schneble und seine Kollegen vom Forstbezirk Hardwald neue Wege gehen. „Mit unseren aus Holz bestehenden Hordengattern wollen wir weg von meist aus Kunststoff bestehenden Wuchshüllen und auch von den Drahtzäunen, weil die immer mal wieder zu tödlichen Fallen für Tiere werden“, sagt Schneble. Der Förster betont aber auch, dass er auf keinen Fall die Kollegen kritisieren wolle, die noch Kunststoffhüllen benutzen: „Wenn man darauf achtet, dass die Hüllen nicht im Wald zurückbleiben, haben sie durchweg ihre Berechtigung“, sagt er. Aus dem Hardtwald sollen Kunststoffhüllen und Drahtzäune aber Stück für Stück verschwinden. Weitere zehn Hordengatter haben die Mitarbeiter der Lebenshilfe bereits gebaut, sie sollen demnächst von der Monteur-Gruppe der Lebenshilfe an von der Forstverwaltung vorgegebenen Stellen aufgebaut werden. „An unserem ersten Hordengatter hier bei Hambrücken werden wir in den nächsten Monaten und Jahren genau beobachten und dokumentieren wie sich der Wald innerhalb des Gatters im Vergleich zu einem ungeschützten Bereich außerhalb entwickelt“, sagt die für dieses Waldgebiet zuständige Revierförsterin Lara Schulz. Falls sich die Hordengatter im Kampf gegen Wildverbiss tatsächlich bewähren, sind die zehn bisher gebauten Schutzzäune der Auftakt der Zusammenarbeit von Lebenshilfe und Forst, betont zudem Schneble.

BNN / Franz Lechner

Stefan Tränkle arbeitet bei der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten e. V. und ist in der Montagegruppe der Bruchsaler Betriebsstätte als Springer tätig. So montiert er zum Beispiel Elemente für Schallabsorber, die in Tonstudios Verwendung finden, oder übernimmt das Einschweißen von Schrauben. Er wurde mit jeweils nur einem Finger pro Hand und einem Zeh pro Fuß geboren, einer angeborenen Dysplasie, was ihn aber nicht davon abhält, sich mit Leidenschaft bei der Kraichtaler Feuerwehr zu engagieren. Er trat bereits in die Jugendfeuerwehr ein und absolvierte später den Grund- und den Funklehrgang.

Nun wurde er für 20 Jahre aktive Mitgliedschaft bei der Kraichtaler Feuerwehr mit Ehrenzeichen in Bronze ausgezeichnet. Seine Aufgaben sind vielfältig: So gehören die Unterstützung der Kollegen bei der Geräteentnahme am Einsatzort, Funktätigkeiten, das Ausrüsten der Kameraden mit Atemschutzmasken sowie das Ausrollen der Schläuche dazu. Wann immer es ihm möglich ist, nimmt er am Übungs- und Ausbildungsbetrieb teil „Ich bin ganz stolz, dass er sich mit großem Eifer in den Dienst der Allgemeinheit stellt. Das ist gelebte Inklusion“, sagt Mathias Bauer, Kommandant der freiwilligen Feuerwehr Kraichtal. „Es macht mir großen Spaß und ich werde dort so angenommen, wie ich bin“, berichtet Stefan Tränkle. Er ist somit einer der 36 Einsatzkräfte der Abteilung Unteröwisheim und Teil der 200 Einsatzkräfte der Kraichtaler Feuerwehr.

Quelle: Lebenshilfe Zeitung, 02/2021, S. 3 (Magazin der Lebenshilfe Bundesvereinigung)

Nachdem die Bruchsaler Werkstatt (Im Fuchsloch) ohne einen einzigen Corona-Fall gut durch das Pandemiejahr gekommen ist, sind nun insgesamt 9 positive Fälle in verschiedenen Abteilungen aufgetreten. Daher befinden sich die dortige Betriebsstätte sowie die Förder- und Betreuungsgruppen und der Berufsbildungsbereich (Eisenbahnstraße) seit 23. März auf Anordnung des Gesundheitsamts bis zum 06.04.2021 in Quarantäne.
Für die Mitarbeiter mit Behinderungen und die Mitglieder der Förder- und Betreuungsgruppen, in denen Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf begleitet und betreut werden, muss dieser Standort daher ab 24.03. geschlossen werden. Der Vorstand und die Geschäftsführung wünschen allen Betroffenen einen guten Verlauf und sind davon überzeugt, durch die schnell ergriffenen Maßnahmen eine weitere Ausbreitung verhindern zu können.

"Ich bin stolz auf meine Arbeit“

Mit beschwingten Schritten geht Nicolas Haffner durch den Discounter. Man merkt, dass er sich hier auskennt, sich wohlfühlt. Er trägt eine große Gießkanne, mit der er die Kräuter und Blumen, die im und vor dem Markt stehen, sorgsam gießt. Das gehört zu Nicolas Haffners Lieblingsaufgaben. Aber nicht nur die Pflanzen versorgt er, sondern auch die Bedienung der Presse im Lager, wo alle Kartonagen in eine platzsparende Form gebracht werden oder die Prüfung des Mindesthaltbarkeitsdatums sind Teil seiner Aufgaben. Besonders das Auffüllen der Waren von den Paletten in die Regale oder Theken, bei dem er mit zwei Kolleginnen zusammen arbeitet, macht er gerne. „Ich lache viel mit meinen Kolleginnen Ramona und Silke“, sagt er und lächelt. Aber auch insgesamt ist er für das Erscheinungsbild des Marktes verantwortlich: So gilt es mit dem Vorziehen der Ware bis zu einer bestimmten Linie diese ordentlich zu präsentieren.

Nach der Schule konnte er sich über die Bildungsmaßnahme der Agentur für Arbeit KoBV (Kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt) bei Praktika in der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten in unterschiedlichen Bereichen erproben, wie zum Beispiel der Garten-Landschaftsgruppe, in der Küche oder in der Werkstatt. Im September 2019 kam der junge Mann in den Supermarkt und wurde dort von einem Jobcoach der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten und einem Mitarbeiter des Integrationsfachdienstes begleitet. „Er hat einen Riesenschritt gemacht und ist mit seinen Aufgaben gewachsen“, beschreibt Jobcoach Steffen Renner die Entwicklung von Nicolas Haffner. Seit August 2020 hat er nun einen festen Arbeitsvertrag. „Ich bin stolz auf meine Arbeit“, sagt er und das spürt man.

Seine Chefin, Claudia Knebel, ist sehr zufrieden mit ihrem Mitarbeiter: „Er macht die Aufgaben ordentlich, ist immer freundlich und hilfsbereit.“ Das sei auch deren Chefin aufgefallen, als diese durch den Markt ging und die Präsentation der Waren und die Ordentlichkeit im Markt lobte. Und wenn Nicolas Haffner nicht arbeitet? Dann spielt er gerne zusammen mit seinem Freund Christopher als Angreifer bei den Habichten, einer Handballgruppe der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten. Dass das Training coronabedingt nun schon seit einiger Zeit ausfallen muss, findet er schade. Außerdem spielt er Schlagzeug, Blockflöte und tanzt gerne. Aber am Liebsten verbringt er seine Freizeit zusammen mit seiner Freundin Anne, die er bereits seit der Schulzeit kennt. Und was wäre noch über ihn zu berichten? Er hat das Down-Syndrom, aber das interessiert eigentlich niemanden.

Mit der gemeinsamen Erklärung zeigen zum Auftakt des Wahljahres mehr als 460 Verbände, Initiativen und Einrichtungen aus dem Bereich der Behindertenhilfe und der Sozialen Psychiatrie gemeinsam klare Haltung gegen Rassismus und Rechtsextremismus und warnen vor Hetze und Stimmungsmache rechter Akteur*innen wie der AfD und ähnlicher Bewegungen. Auch die Lebenshilfe Bruchsal-Bretten ist mit dabei. Mit Sorge beobachten die Verbände, wie versucht wird, eine Stimmung zu erzeugen, die Hass und Gewalt nicht nur gegen Menschen mit Behinderung, psychischer oder physischer Krankheit schürt, sondern gegen alle, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft engagieren.

„Wir treten ein für Menschlichkeit und Vielfalt. Und wir sind nicht alleine: Wir stehen für Millionen Menschen in Deutschland, die das Auftreten und die Ziele von Parteien wie der Alternative für Deutschland und anderer rechter Bewegungen entschieden ablehnen“, heißt es in der Erklärung. Die AfD habe vielfach gezeigt, dass sie in ihren Reihen Menschen- und Lebensfeindlichkeit dulde, sie fördere Nationalismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Heute sei daher plötzlich „wieder an der Tagesordnung, was in Deutschland lange als überwunden galt“, warnen die Unterzeichnenden.

Die Mitzeichnenden, die von Organisationen der Selbsthilfe über Förder- und Inklusionsorganisationen bis zu Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege reichen, zeigen sich entschlossen, Hass und Hetze entgegenzutreten: „Wir lassen nicht zu, dass in Deutschland eine Stimmung erzeugt wird, die unsere Gesellschaft spaltet“, heißt es in der Erklärung.

Durch Aufklärung, Beratung und öffentlichkeitswirksame Aktionen soll durch verschiedenste Aktivitäten der Unterzeichnenden „für eine menschliche und lebenswerte Zukunft für uns alle“ geworben werden. Ziel der Mitzeichnenden ist es, im Superwahljahr ein Zeichen für Demokratie zu setzen. Sie betonen, es komme auf jede Stimme an und fordern auf, zur Wahl zu gehen.

Unterzeichnet wurde die Erklärung unter anderem vom Sozialverband VdK Deutschland, dem Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland, den Fachverbänden für Menschen mit Behinderung, dem Paritätischen Gesamtverband und der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie. Bislang wird die Erklärung bundesweit von mehr als 460 Verbänden, Initiativen und Einrichtungen mitgetragen.

Der gesamte Erklärungstext und die Liste der Mitzeichnungen ist online unter www.wir-fmv.org abrufbar.

Hintergrund: Bereits im April 2018 und im November 2019 haben sich zahlreiche Verbände öffentlich gegen Versuche aus den Reihen der AfD positioniert, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen herabzuwürdigen und für rassistische Stimmungsmache zu instrumentalisieren.

 

Kontakt für Presseanfragen: kontakt@wir-fmv.org

Stimmen der Unterstützer*innen der Erklärung für Menschlichkeit und Vielfalt sind in Zitatform unter www.wir-fmv.org/Stimmen abrufbar.